Schlussstrich

Woran merkt ihr eigentlich, wenn es Zeit ist, einen Schlussstrich zu ziehen?

Alice im Wunderland via http://seefaandreaislam.wordpress.com(Foto: Alice im Wunderland via http://seefaandreaislam.wordpress.com)

Ich glaube, mir ist diese Eigenschaft vor einigen Jahren oder Monaten abhanden gekommen. Wenn ich ehrlich bin, weiß ich gar nicht mehr so genau, wann ich diese Eigenschaft das letzte Mal gesehen habe. Das es mir echt schwer fällt, Entscheidungen zu treffen, das weiß ich ja nun schon länger, ob man sich das „abtrainieren“ kann, das weiß ich hingehen nicht, jedenfalls habe ich noch nicht herausgefunden wie. Aber einen Schlussstrich zu ziehen, ist das nicht noch viel schlimmer, als eine Entscheidung zu treffen? Oder ist es einfach nur eine der schlimmsten Entscheidungen?

Wenn man auf einmal merkt, dass einem Sachen nicht mehr so gut tun, wie sie es mal taten, oder man bemerkt es erst jetzt und vielleicht waren sie noch nie so richtig gut für einen oder das Richtige für einen – was macht man denn dann? Wann lohnt es sich für etwas zu kämpfen und wann lässt man es einfach bleiben? Ist das Leben nicht eigentlich viel zu kurz, um so viele Sachen zu (mitzu)machen, die einem gegen den Strich gehen? Oder dabei ist es doch piepegal, ob es dabei um den Job geht, die Familie, die Beziehung oder den nächsten Drink.

Manchmal denke ich auch einfach: „This World Sucks, So I Made My Own“. Zumindest könnte man ja einfach mal damit anfangen 🙂

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Regeln

Manchmal frage ich mich, ob das ganze Leben eigentlich aus Regeln besteht…

Es gibt die Regel ans Telefon zu gehen, wenn es klingelt.
Aber was ist, wenn ich nicht will?

Es gibt die Regel die Tür hinter sich abzuschließen.
(„Damit keine Junkies ins Haus kommen!“)

Sonntags gucken wir Tatort.
Oder wir gucken es Montag dann nach, in der Mediathek.

Am Anfang der Woche trifft man sich nicht. Am Ende schon.

Man ruft besser nicht zuerst an.

Ohne Zähneputzen geht es nicht ins Bett.
(Und das obwohl man jetzt 30 ist und es einem doch auch einfach mal kackegal sein könnte).

Wenn das Flugzeug abhebt halte ich kurz die Luft an.

An Heiligabend besuche ich das Grab von meinem Vater. (Es ist schön da).

Morgens bin ich müde. (Nur am Wochenende geht es).

Man überlegt lieber zweimal, statt das zu sagen, was man gerne sagen würde. (Meistens).

Lieber nichts sagen, als verletzt werden.

Sich zurückziehen. (Dann kann einem keiner weh tun.)
(Aber das tut auch weh. Nur anders.)

Wenn Michael Jackson läuft muss ich immer noch mitwippen.
(Das wird wohl immer so bleiben).

Wenn man Tierbabys sieht, lächelt man. (Gilt eigentlich immer).

Wenn ich dich sehe oder an dich denke, lächle ich. (Gilt eigentlich fast immer).

Nahsein ist schön. (Finde ich).

Der Geruch von Mangos erinnert an den Sommer. (Der von Erdbeeren auch).

Große Erdbeeren aus Holland kauft man nicht. (Schon gar nicht im März).

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Man geht nicht hinter die Absperrung. (Auch wenn es da schöner ist).*

*Doch, geh mal dahinter!
(Die Absperrung meine ich. Trau dich einfach. Es ist okay denke ich!)

Kann ich eigentlich nicht mehr alleine sein?

Ich habe mich verändert. Und irgendwas hat sich verändert. Klar, alles wird schneller. Wir kommunizieren auf 28 1/2 Kanälen. Am besten auch noch parallel und gleichzeitig. Aber das meine ich gar nicht unbedingt. Sekunden, Minuten, Stunden, Wochen, Monate und irgendwie auch Jahre ziehen immer schneller an mir vorbei. Wenn ich zurückdenke, ich mein, wie lange die Zeit des Adventskalenders mal war, gefühlte Jahrzehnte. Allein vom ersten Dezember bis Nikolaus vergingen Monate. Und heute geht der Sommer quasi direkt über zu Silvester.  Habe in den letzten beiden Jahren irgendwie nie richtig Urlaub gemacht und bin nicht wirklich mal ein paar Tage am Stück zur Ruhe gekommen. Aber ich will mich nicht über fehlende Zeit beschweren, denn im Moment hab ich einen der coolsten Jobs, den ich mir vorstellen kann. Aber manchmal beschleicht mich der Gedanke, ich könnte mich einfach auflösen. Einfach weg, verschwinden im Strudel aus Tweets, Gesprächsfetzen, Telefonaten, SMS, E-Mails, Status-Updates, Kommentaren, Likes, Flattrs, Beobachtungen, Fotos, Augenblicken, Sehnsüchten…

Und dann schalte ich mein Macbook an, wenn ich nach Hause komme. Noch bevor ich meine Schuhe ausgezogen habe oder meine Tasche in die Ecke gepfeffert habe. Denn was die Kontrolle über meine technischen Geräte betrifft, da bin ich effizient geworden. Verdammt effizient. Zahllose Tabs existieren nebeneinander, unterstützt von noch zahlloseren Fenstern. Ich brauche mehr Speicherplatz um noch mehr gleichzeitig erledigen zu können. Und noch schneller. Und vor allem effizienter.

Und dann frage ich mich ganz kurz, ob das so eigentlich der richtige Weg ist und ich heute Abend vielleicht den Rechner auslassen sollte… – und dann checke ich nur nochmal ganz kurz meine E-Mails, skippe mich durch ein paar Twitter-Profile, eben die neuesten Updates bei Facebook überfliegen, hat jemand was spannendes bei Mister Wong gespeichert, was sagt der Feedreader und hat Last.fm neue Musikempfehlungen für mich? Huch halb eins, jetzt aber schnell Zähne putzen. Geht übrigens auch super vorm Rechner. Und wie gut ich im „Schlafzeug-anziehen-während-man-tippt“ geworden bin. Noch ein letztes Mal überspringe ich die geöffneten Tabs, bis ich das Macbook wirklich runterfahre. (Habe ja schließlich noch mein iPhone, bin also nicht völlig von euch abgeschnitten). Wollte ich heute Abend nicht eigentlich den Rechner auslassen? Naja, schalte stattdessen über Nacht den Flugmodus des iPhones ein und fühle mich für einen ganz kurzen Moment überlegen.

Die neuen Kommunikationsmöglichkeiten haben mein Leben unglaublich bereichert, ich habe das Gefühl, ich kann im Kleinen Teil von einem wirklich großen Puzzle sein. Ich lebe in zwei Welten. Online. Und Offline. Aber die Grenzen verschwinden zunehmend.

Menschen aus dem Real Life kommen hinzu, Bekanntschaften von Twitter finden ihren Weg ins echte Leben (wobei ich glaub ich fast keinen einzigen Fall nennen kann, in dem diese Begegnungen mit Personen, die ich z.B. zuvor ’nur‘ über Twitter kannte, nicht wunderbar entspannend und bereichernd waren. Trotzdem habe ich Schwierigkeiten mich zu fokussieren. Kann man sich auf soviele unterschiedliche Mikrokosmen einlassen? Bleibt dann nicht immer irgendwas zurück? Und obwohl da so viel ist. So viel Schönes. Fühle ich mich noch immer nicht komplett. Wobei ich auch wirklich nicht weiß, ob man sich je komplett fühlen kann.

Heute Nacht habe ich geträumt ich würde ohnmächtig werden, immer wieder und wieder bin ich in Zeitlupe zu Boden gefallen, aber das Fallen war sanft und fast angenehm. Informationen prallten an meinem Kopf ab, Kommunikationsstränge flossen entspannt an mir vorbei. Endlich Ruhe.

Warum aber kann ich nicht aufhören zu denken, zu kommunizieren, zu ersehnen? Mein Kopf sagt mir, dass er sich Ruhe wünscht. Mein Körper auch. Aber je mehr ich mich nach Ruhe sehne, desto mehr mache ich. Als hätte ich Angst vor diesen fünf Minuten in denen man nichts tut, außer entspannt in die Sonne zu blinzeln. Ich fühle wie Charlie Chaplin in diesem Muster aus Zahnrädern gefangen, funktionieren, machen, einspringen… Aber irgendwie will ich das auch. Kann ich nicht mehr alleine sein? Bin ich süchtig nach Austausch? Und wovor habe ich eigentlich Angst?

Nachts aufwachen und nicht wieder einschlafen können. Doch, können schon, aber nicht wollen. Fremde Informationsströme auf dem iPhone beobachten, wie sie durch die Nacht wabern. Dabei ist mein eigener Kopf doch randvoll mit Träumen gefüllt.

Wovor renne ich weg, kann ich eigentlich wirklich nicht mehr alleine sein?