Sollte ich eigentlich „Gangster Squad“ gucken?

Sean Penn, Ryan Gosling, Emma Stone, Giovanni Ribisi… das klingt doch schon mal gar nicht so schlecht. Ehrlich gesagt klingt das sogar ziemlich gut! Sean ist einfach ein unschlagbar guter Schauspieler, Ryan sieht ehrlich gesagt ziemlich heiß aus, Emma hat mindestens tolle rote Haare und Giovanni – könnte ich mir auch gerade nach „The Rum Diary“ – den ganzen Tag angucken.

Und an Tagen wie heute, an denen mich meine Nachbarin fast zur Weißglut gebracht hat, wäre ich auch gerne ein Gangster. Ein kleiner zumindest. Und in meinen Gedanken würde ich sie dann mal so richtig vermöbeln.

Bleibt also festzuhalten, ich stehe auf Gangsterfilme. Böse Jungs, böse Mädchen. Ist doch super, nicht immer lieb zu sein. Also verratet mir doch am besten kurz, ob es sich lohnt einen Blick oder auch zwei auf „Gangster Squad“ werfen sollte.

Hier gibt es zumindest schon mal einen kleinen Vorgeschmack:

Nach dem Anschauen des Trailers, beschleicht einen das leichte Gefühl, man hätte den Film schon mal gesehen. Oder zumindest einen ähnlichen in der Art. (Kriegs-)Schauplatz des Films ist übrigens Los Angeles. Und hier gibt es noch ein paar Hintergrundinfos zu „Gangster Squad“ – der Film basiert übrigens auf einer wahren Begebenheit.

Filme in den geprügelt wird… Django Unchained fand ich jedenfalls super, auch wenn die eine oder andere Szene einfach zuviel für mich war, aber das wusste ich wohl vorher schon 🙂 Auch auf Oldschool-Gangster-Filme wie Scarface, Casino, Menace II Society oder Pulp Fiction möchte ich auch einfach nicht verzichten. Ich habe ja keinen Fernseher, aber Serien und Filme gucke ich manchmal doch ganz gerne. Besonders am Wochenende zum Frühstück oder Samstagabends, wenn man sich etwas Leckeres gekocht hat, dann einen schönen Cuba Libre oder einen Mojito mit viel Eis ins Glas kippt – dann den Beamer anwerfen und dezent aufs Sofa fletzen. So mag ich das ♥

*fyi Dieser Artikel ist in Zusammenarbeit
mit der Hansen Mediengruppe entstanden.

Vintage Circus Illustrations

Wiktor Górka CYRK IllustrationWaldemar Swierzy CYRK IllustrationHubert Hilscher CYRK IllustrationRoman Cieslewicz CYRK IllustrationJan Mlodozeniec CYRK IllustrationMaciej Urbaniec CYRK Illustration
Herbert Leupin CIrcus IllustrationJan Mlodozeniec CYRK IllustrationErik Stockmarr Circus IllustrationHans Erni Circus IllustrationMaciej Urbaniec IllustrationHans Erni Circus Illustration 2
Gerta & Alfred Haller IllustrationMaggie Baaring IllustrationHerbert Leupin Illustration 4Gerta and Alfred Haller IllustrationWolfgang Roth ScreenprintsRaymond Savignac Illustration

Da ich ja gerade sowieso schon ganz nach dem Motto „Circus, Circus“ durch die Tage schwebe – macht es Spaß, sich das hier mal anzuschauen. Ich mag ja ganz besonders das Posters von Jan Mlodozeniec, dass er für den polnischen Zirkus angefertigt hat – der Elefant vor dem roten Hintergrund ♥

Was hat ein nordfischbaby denn eigentlich mit Sputnik zu tun?

Oder endlich: Der Megaquitzchenmittwoch.

Runde 12. Runde 12, das bin ich. Was das bedeutet, wusste ich allerdings vor einigen Wochen selbst noch nicht. Runde 12, das bedeutet im Prinzip nichts anderes als: ich darf Comics lesen. Und zwar einen ganz bestimmten: „Die Sputnik-Jahre“.
Und das nicht nur zum Spaß, nein – hier geht es um harte Arbeit. (Okay, das war jetzt auch eher Quatsch).

Ich finde Comics eigentlich schon immer toll. Das bezieht sich das im Großen und Ganzen allerdings auf das Lesen von Disney’s Lustigen Taschenbüchern. Und das wiederum hört sich nun sicherlich für den einen oder anderen „echten“ Comic-Nerd wie ein flauschiges und nicht ernstzunehmendes Maunzen meinerseits an.
Dabei habe ich diesbezüglich klare Prinzipien: Donald ja, Mickey nein. So einfach ist das.

Die kindliche Comic-Sammelwut packte nicht nur mich, sondern auch meinen „kleinen Bruder“ (1,96m). Gemeinsam verfügen wir über einen Schatz, der in etwa 300 Lustige Taschenbücher, diverse Donald Hefte und um die 250 Mickey Maus Hefte (ja, ich weiß!!) umfasst. Hinzukommen diverse Sonder-, Sammel- und Spezial-Editionen.

Um so mehr freute mich also die Anfrage von Christoph „quitzi“ Wienke, ob ich bei seiner kleinen Blogreihe: „Der Megaquitzchenmittwoch“ zum Thema Comics mitmachen möchte. Mit im Boot bei dieser sympathischen Reihe sind unter anderem die geschätzten Kollegen Jetteken, Hilliknixibix, Huck Haas samt Frau oder aber auch der verehrte Herr Nilzenburger.

Quitzi-Christoph (den ich übrigens noch nie in echt traf, obwohl ich bereits zweimal in seinem Comicladen in Berlin in der Torstraße war) fragte mich also, ob ich bei seiner Aktion mitmachen möchte. Da ich nicht viel von dem verstand, was „Megaquitzchenmittwoch“ bedeuten sollte, ich Quitzi aber mag, sagt ich kurzerhand ja.

Bereits wenig später lag ein kleines Paket auf meinem Schreibtisch. Nicht groß war es, aber recht dick. Comics hatten bisher für mich Tim & Struppi-Dicke. Oder Lucky Luke-Dicke. Oder Gaston-Dicke. Oder eben im schlechtesten Fall Mickey Maus-Dicke. Aber ich kann mich nicht daran erinnern, ein Comic in mittlerer Kochbuch-Dicke besessen zu haben.

Neugierig packte ich also das Päckchen aus. Und dann hielt ich mein Dings und damit meine ich mein persönliches Comic-Rezensions-Exemplar in den Händen: „Die Sputnik-Jahre“.

Das Buch fühlte sich gut an. Die Haptik der Oberfläche des Buchdeckels erinnert an Fairtrade-Dawanda-DIY-Ökokarton. Und das mag ich. Der Comic kostet 29 Euro. Das finde ich viel, aber man merkt es der Qualität auch an.

Der französische Comic wurde von Hervé Barulea aka Baru geschrieben und gezeichnet und die deutsche Fassung ist im Berliner Reprodukt Verlag erschienen. Ursprünglich erschien der Comic übrigens in vier Teilen. Was eigentlich ganz witzig ist, da ich das Buch auch in etwas in vier Etappen gelesen habe. Und weil ich so lange für die gut 200 Seiten gebraucht habe, erstreckte sich die Lesephase sogar über zwei komplette Jahreszeiten: Schwimmbadzeit und bunte Laubblätterzeit.

Die Geschichte spielt in den 50er-Jahren in Frankreich. Genauer: in Lothringen.

Hauptfigur ist Igor. Igor hat drei Comic-Haare auf dem Kopf. Igor trägt gerne rote Turnschuhe. In meiner Vorstellung fehlen Igor diverse Zähne (durch Raufereien, Baumhausunfälle…) aber ich habe das noch einmal überprüft und ehrlich gesagt entdecke ich in keiner Zeichnung einen fehlenden Zahn. Im Gegenteil, Igors Gebiss scheint aus zwei durchgehend weißen Kauleisten zu bestehen. Igor liebt Fußballspielen. Und Igor ist wahrscheinlich elf. Vielleicht auch sieben oder vierzehn. Aber irgendwo in diesem Bereich hält er sich wohl auf.

Igor ist so ziemlich von der ersten Minute an Sympathieträger. Und das obwohl Igor ganz schön aufbrausend sein kein und regelmäßig Ärger mit denen von „da unten“. „Da unten“ und „da oben“, das sind im Prinzip die zwei wichtigsten Orte des ganzen Buches. Igor wohnt „da oben“ und seine Feinde wohnen folglicherweise „da unten“. Igor schimpft gerne laut. Aber fast noch lieber schimpft er viel.

Die Schrift in den Sprechblasen des Comics ist in Versalien geschrieben. Wenn Igor böse ist, werden die Buchstaben noch größer oder die Schriftfarbe noch dunkler. Das betrifft also in etwa 50% des Comics. Als er im Eifer des Gefechts von der schwarzgelockten Leila einen Kuss aufgedrückt bekommt, wird Igors Gesicht noch röter und er weiß nicht, ob er den Kuss irgendwie gut oder einfach nur „PUAAHH!!! DAS IST JA EKELHAFT WIDERLICH!!!“ finden soll.

Die Zeichnungen sind filigran und gleichermaßen ausdrucksstark. Die Farben stimmig gewählt. Und trotzdem: Igors Alltag ist gesäumt von Problemen. Das mag bei den wenigsten von uns anders sein, aber in Barus‘ Comic liest es sich aber ganz offensichtlich heraus: Probleme in der Schule. Probleme mit den Nachbarn. Probleme mit den Hühnern (=Mädchen). Probleme mit denen von „da unten“. Probleme mit der Mutter. Probleme wer nun eigentlich der echte Anführer ist…

Als am 4. Oktober 1957 in der damaligen Sowjetunion ein Satellit namens „Sputnik“ in die Umlaufbahn geschossen wird, beschließen Igor und seine Freunde ebenfalls eine Rakete auf den Mond zu schießen. Als Vorbild dient die Rakete von Professor Bienlein aus dem Comic „Tim und Struppi“. Doch wie schon fast zu erwarten war, ist es nicht unbedingt so einfach, eine Rakete zu bauen um diese dann auf den Mond zu schießen. Vor allem wenn man kein Schießpulver hat.

Kurzum Igor hat es nicht leicht. Dennoch strotzt die ganze Geschichte von Energie und Lebensfreude und ehrlich gesagt bekommt man zwischendurch auch ein bisschen Lust, sich im Dreck zu wälzen um sich anschließend ein bisschen prügeln zu gehen.

Wer Lust auf Igor und seine Alltagskämpfe bekommen hat,
kann „Die Sputnik-Jahre“ übrigens direkt hier bestellen. Oder hier bei Amazon.

Und bevor ich es vergesse, Quitzi findet ihr übrigens hier und hier. Und manchmal sagt er auch was im Fernsehen. Wo ich Quitzi aber fast am liebsten lese ist hier.

♥ Hach, einmal aufs Coachella Festival*

Musik ist toll. Tanzen auch. Und Lachen erst!

Wie wunderschön-flauschig ist doch die Zeit, wenn es wärmer wird und die Festival-Saison anbricht. Auch in diesem Jahr werden einige Festivals mitgenommen. Wobei ich ja auch zugeben muss, dass ich ein sogenannter Festival-Spätzunder bin. Mein erstes Festival war glaube ich tatsächlich das Splash Festival. Danach folgten in immer kürzer werdenden Abständen immer weitere und unterschiedlichste Festivals (Appletree Garden, Omas Teich Festival, Fusion, in diesem Jahr auch das Hurricane…). Die Stimmung auf Festivals ist zwar immer anders, aber eins haben sie für mich doch gemeinsam – einfach mal raus aus dem Alltag und sich treiben lassen. Treiben lassen von der Musik. Von den Eindrücken (Fernsehen ist ein Witz dagegen). Von den Stimmungen.

Hätte ich neben Zeit auch noch Geld und viel Mut, dann würde ich ja wirklich sehr gerne einmal in die USA zum Coachella-Festival fliegen.

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Wobei es mir wahrscheinlich sogar weniger um das Line-Up ginge, mehr um das Aufsaugen von (E)Motionen. Alleine was mir der diesjährige Timetable an Künstlern mit dem Buchstaben „A“ ausspuckt überfordert mich sowieso und jede Buchstabensuppe auch. Am liebsten würde ich ja sogar gemeinsam mit meiner Mama hinfahren. Ich stelle mir manchmal sowieso vor, wie es wäre. würde ich meinen Eltern auf der Tanzfläche oder einem Festival begegnen, aber sie wären ebenfalls so alt wie ich jetzt. Sie würden mich gar nicht erkenn, aber wir alle würden einen abgefahren Abend erleben und vor Lachen über den Tanzflur oder die Wiesen kugeln. Also, sollte ich es irgendwann mal aufs Coachella geschafft haben, ich lasse es euch wissen.

(Coachella 2011 from Ryan Mastro on Vimeo.)

Weg vom entspannt-kreativen Hippie-Feeling des Coachella Festivals, ging es sicherlich beim „Electric Daisy Carnival“. An den Standorten der Supermetropolen New York und Las Vegas haben Mainstream-Musiker wie Armin van Buuren oder Fatboy Slim die glitzernde Menge auf ihre Art und Weise zum Kochen gebracht. In Vegas konnten sich zwischern Lichtern und schimmernden Casinos dann Millionäre und solche die ihr Glück beim Poker erst noch versuchen wollen den Dancefloor teilen. Nächster Halt des „Carnivals“ wird dann übrigens Puerto Rico sein.

*fyi Dieser Artikel ist in Zusammenarbeit
mit der Hansen Mediengruppe entstanden.

“Herzattacke” im Bremer 1/4

Vor kurzem hat es eine “herzliche” Farb-Attacke gegenein relativ neue Gebäude (Wohnungen + Rewe-Markt)  im Bremer Viertel (Steintor) gegeben. Der Neubau des Gebäudes war vielen Viertelbewohnern von Beginn an ein Dorn im Auge. Schlagwort: “Gentrifizierung”. Auch wenn der Eindruck trüben mag, der von Securitys bewachte Rewe in dem Gebäude scheint trotz ablehnender Haltung vieler Bremer stets gut besucht – man könnte meinen, so richtig gemieden wird der Markt nicht. Ich find das Gebäude und den Rewe ehrlich gesagt okay, solange kleinere kulturelle Geschichten und die vielfältige Umgebung darunter nicht leiden. Einige “Unbekannte” haben dem Gebäude nun also ein paar lebendige Farbkleckse verpasst.

Randale? Lichtblicke? Entscheidet selber – ich finds ja eher gutgelungenen kreativen Protest und hab es mal geknipst. ♥

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Weiter geht es hier:
http://www.nordfischbaby.de/2012/06/25/herzattacke-im-bremer-14/

12 Fragen an @herrjuhl

Ich muss ja zugeben, dass es schon ein paar Tage, um nicht zu sagen Wochen (sind es schon Monate?) her ist, dass Herr Juhl mir die folgenden 12 Fragen + Bonusfrage beantwortet hat. Das macht aber nichts, denn die Antworten sind nach wie vor absolut lesbar und am Ende des Interviews habe ich mich sogar daran versucht, dass Geheimnis um die markante rote Hose des Tim Juhls zu lüften.

Videospiel-Liebhaber Herr Juhl (auf Twitter übrigens zu finden unter @herrjuhl) lebt in Oldenburg. Herr Juhl ist ein sehr audio-visueller Mensch. Das kann man ruhig einfach so sagen.

Sein ansprechendes tumblr-Blog, dass er gemeinsam mit @HerrWindus führt, findet ihr hier: http://dasherrenhaus.tumblr.com.

Also viel Spaß beim Lesen 🙂

Was hast du als letztes gegessen?
Aufgrund diverser Geburtstagsfestivitäten war meine letzte Mahlzeit ein medium gegrilltes Rumpsteak mit Sauce Hollandaise, Röstkartoffeln, gebratenen Zwiebeln und Champignons. Dazu gab es einen halbtrockenen griechischen Wein. Das war ziemlich okay.
 

 

Wenn du ein Tier sein könntest, welches würdest du sein?Oh, das ist knifflig! Spontan hätte ich wohl Lust als wilder Mustang durch die Prärie zu reiten. Näher kann man Freiheit nicht kommen.
 
 
Auf einer Skala von 1 (ach so ein scheiß) bis 12 (hell yeah wie genial) wie zufrieden bist du mit deinem Leben?
Eine 10 wird es da wohl werden. (Man muss ja auch immer noch ein bisschen Platz nach oben lassen.)
 
 
Hast du schon mal ernsthaft gedacht, du könntest verrückt werden?
Unglaublich oft! Meistens war ich dann aber doch nur betrunken. Sollte es aber wirklich einmal soweit kommen, dann rede ich mir lieber ein, dass ich normal bin und der Rest der Welt verrückt. Damit könnte ich wohl einfach besser zurecht kommen.
 
 
Glaubst du an Karma?
– Meine Ex hat mich mal betrogen. Ich machte Schluss und sie kam daraufhin mit diesem anderen Typen zusammen. Und der hat sie dann über Wochen hinweg betrogen. Ich fand das nur fair.
 
Welches ist spontan die traurigste Filmszene, die dir einfällt?
Wenn in der Folge „Tag der offenen Tür“ das Auto von Mr. Bean von dem Panzer überrollt wird. Es treibt mir immer noch jedes Mal die Tränen in die Augen.
 
 
Hot Dog oder Cheeseburger?
Hot Dog!
 
 
Deine Lieblings-Game-Figur?
Das ist definitiv der Dämonenjäger Maxim aus meinem absoluten Lieblingsrollenspiel „Lufia“ für den Super Nintendo. Ich habe mich selten so gut mit einem Spielecharakter identifizieren können.
 
 
Oldenburg ist für dich einfach, ___________
meine Stadt.
 
 
Was ist deine größte Schwäche?
Ich zeige meinen Freunden gerne neue Musik und versuche sie dann krampfhaft davon zu überzeugen, dass sie diese nun auch total toll finden müssen. Geht meistens nach hinten los.
 
 
Wenn dir morgen ein reicher Öl-Milliardär anbieten würde, ihn auf einer Reise zum Mond zu begleiten, würdest du annehmen?
Gibt es da oben W-LAN?
 
 
Was ist deine absolute Lieblingsbeschäftigung?
Händchenhalten. Mehr braucht der Mensch nicht um glücklich zu sein.
 
 
Dann jetzt noch die Spezial-Frage: „Herr Juhl, was hat es denn nun eigentlich mit Ihrer roten Hose auf sich? Und noch viel wichtiger, gibt es sie noch oder haben Sie sie in einem Ehren-Bilderrahmen aufgehängt?“
Die rote Hose bekam ich mal von einem Freund geschenkt. Ganz nach dem Motto: Müsste dir passen, stehen tut sie dir vielleicht auch. Ich hielt bzw. trug sie in Ehren – wie es mit Lieblingsjeans nun einmal halt so ist. Irgendwann aber machte es ein unübersehbarer Riss es mir sehr leicht die Seele baumeln zu lassen und mich von ihr zu verabschieden. Mit einem Trauergeleit und diversen Tränen verabschiedete ich sie in die Tonne. Einen adäquaten Ersatz konnte ich bis dato leider nicht finden.
 
 
Danke an Tim Juhl, dass er für diesen Blogbeitrag so charmant Frage und Antwort stand.
 
PS: Nächstes Mal wird mir übrigens André aka @nieptier Frage und Antwort stehen.

Eigentlich ist…

…schon fast Weihnachten. Ist schon fast Silvester. Ist schon fast 2012. Ist schon fast ich bin erwachsen. Ist schon fast ihr seid erwachsen. Ist schon fast alles vorbei. Ist schon fast alles fängt an.

Ich esse unglaublich gerne grüne Tabasco-Sauce. Auf vegetarischen Nuggets. In einem Wrap. In einem Curry. Auf mein Tomaten-Käsebrot. Jalapeño. Mit einem scharf-gesprochenen „chchch“ am Anfang. So, dass es im Gaumen kitzelt. Ein weiches „nnnn“ in der Mitte, dass einen an wohlgeformte, warme Brüste erinnern lässt.

Ich trinke ein Glas Rotwein und schreibe diesen Text. Anders. Ich schreibe diesen Text und schreibe darüber, dass ich ein Glas Rotwein trinke. Das bringt mich dazu ein Glas Rotwein trinken zu wollen. Aber weil es hier an der Heizung viel viel wärmer ist als in der Küche, ist es gerade quasi unmöglich Richtung Küche zu huschen und mir reinen Wein einzuschenken. Also schreibe ich eben weiter davon, wie gerne ich jetzt ein Glas Rotwein tränke. Und trinke keinen Rotwein.

Draußen ist es kalt. Nass. Neblig. War nicht gerade eben noch Sommer? Einmal eingeatmet und schon ist aus Versehen sibirischer Winter? Wenn ich abends mit dem Fahrrad fahre, kriecht die Kälte unter meine blaue Wollmütze, sie tanzt an meinen Fingerspitzen entlang und legt sich in meinen Nacken. Das sind Momente, in denen ich mich an die warmen Jalapeño-Brüste schmiegen möchte um nicht zu erfrieren.

Manchmal verschwimmen die Grenzen zwischen online und offline. Manchmal frage ich mich, ob es überhaupt noch Grenzen gibt? Dann wiederum frage ich mich in einem harschen Ton erneut, wie ich darauf kommen konnte, online und offline könnten eins sein. Es ist ein neuer sozialer Raum entstanden, der uns umgibt, mit dem wir uns umgeben. Es ist wie eine Wolke aus Wortfetzen, Gedankenströmen, Links und Bildern, Songs und Gefühlen, Likes und Comments, Streams und Push  Notifications. Ich bin jetzt hier. Und gleichzeitig da draußen bei euch. Und gleichzeitig seid ihr hier bei mir.

(Ich habe es in der Zwischenzeit übrigens in die Küche geschafft. Gleich gibt es Wein. Das sollte euch nicht beunruhigen. Im Gegenteil, meine Gedanken benehmen sich einen Großteil der Zeit sowieso absurd. Da kommt es auf Glas Rotwein mehr oder weniger nicht an.)

Vorm Edeka an der Ecke stand heute und älterer Mann. Ich schätze er war 57, könnte aber auch sehr gut als 63 durchgehen. Er spielte Ziehharmonika. Er wirkte auf mich osteuropäisch, das mag jetzt nach einem verflixten Vorurteil klingen, das macht aber nichts, denn ich meine es nicht so. Er trug eine blau-rote Jacke, der Haaransatz war ein wenig schütter und seine Hände steif und rot von der Kälte. Manchmal wünsche ich mir ich hätte besondere Fähigkeiten. Und damit meine ich jetzt nicht diese „8-Millionen-Dollar-Frau-Night-Rider-Scooby-Doo-A-Team“-Fähigkeiten – nein, manchmal wünsche ich mir, ich könnte Lebensgeschichten im Zeitraffer vor mir ablaufen sehen. Ich blicke der gewünschten Person kurz in die Augen um mir die Zugangsberechtigung zu seinem Leben abzuholen und dann würde es losgehen. 16 zu 9. Oder schwarz weiß und flackernd. Wie ein Daumenkino, dass sich durch meine Gedanken wälzt.

Wenn ich mir noch eine Fähigkeit wünschen dürfte, wäre es im Nachhinein sehen zu können, wo man Personen, die man erst seit einem bestimmten Zeitpunkt kennt, vielleicht schon vorher rein zufällig gesehen hat. Also nicht gesehen hat. Wo sich die Wege schon einmal gekreuzt haben. Im Supermarkt. Am Bahnhof. Auf einem Konzert. Im Urlaub. In Berlin. Oder in der Achterbahn. Wobei ich letzteres für meinen Fall eher ausschließen kann, da ich glaube ich an einer Hand abzählen kann, wie oft ich schon Achterbahn gefahren bin. Das ich da schon die Wege von irgendjemandem gekreuzt habe, mag ich an dieser Stelle fast ausschließen.

Eigentlich ist auch schon fast Neujahr. Eigentlich ist schon fast Frühling. Eigentlich kann ich den Sommer schon fast wieder riechen. (Gut, dass kann jetzt doch auch am Wein liegen.)

Fusion 2011 – Ich mag es, wenn man mich Hippie-Mädchen nennt.

Ich beobachte, wie die Welt um mich herum mitwächst. Auf einmal können mir die Hunde nicht mehr direkt in die Augen blicken. Ich habe aufgehört, diese und jene Blätter von unterschiedlichen Bäumen zu probieren. Immer seltener berühre ich die Blütenblätter im Vorbeigehen. Aus Pusteblumen ist Löwenzahn geworden. Pfützen lächle ich nur noch aus der Entfernung verschwörerisch zu. Doch manchmal kommt alles ganz unerwartet und wir sind doch wieder Kinder.

Wir lassen uns von elektronischer Tanzmusik tragen. Schließen die Augen und lassen uns von den Beats treiben. Ich habe Lust dich zu umarmen. Sonnenstrahlen wärmen meine Wangen. Mit meiner linken Hand streiche ich die Haarsträhnen aus dem Gesicht und lege sie hinter mein Ohr. Meine Füße bewegen sich konstant zu den Melodien. Obwohl ich die Augen geschlossen halte, lache ich. Und ich spüre, dass es euch nicht anders geht. Wir treffen an uns an diesen Orten um gemeinsam wieder Kinder zu sein. Die Mädchen tragen bunte Strumpfhosen und die Gesichter glitzern bunt. Federn schmücken die Haare und wäre ich ein Mops, würde ich in Heer unterschiedlichster Gummistiefel und von Freude und Matsch durchtränkten Stoffschuhen blicken. Wir stoßen an, in den milchigen Plastikbächern klopfen die Reste der Eiswürfel an den Rand. Kalter Rhabarber. Kalter Rum. Schmeckt mir.

Bunte Zelte sind in unterschiedlichsten Konstellationen und Formen angeordnet. Je länger die Menschen nicht duschen, desto schöner werden sie. Mein Kopf liegt fast auf der Erde. Zwischen uns nur die Wiese, der Zeltboden und die Luftmatratze. Wir vibrieren, die Bässe der Bühnen durchdringen unsere Körper. Es ist schwer zu sagen, ob es schon morgens ist, noch morgens ist oder wann morgen ist? Für einen kurzen Moment halten wir die Zeit an, ziehen Büros, und Bürostühle, und Eltern, und Briefe, und Rechnungen, und das Grau aus unseren Köpfen. Mehr Rum. Nicht mehr kalt. Trotzdem gut. Dazu TUC-Kekse mit Senfsoße. Quietschender Halloumi-Käse rundet das festliche Abendmahl ab. Wir essen mit den Fingern, es könnte kaum köstlicher sein. Wir sind die neuen Blumenkinder.

Regen tropft von unserer Stirn. Kitzelt meinen Nacken. Ihre Schuhe quietschen. Tanzend verdichten wir den Boden. Wir werden den Weg nach Mordor finden. Fast ekstatisch bewegen sich unsere Arme zu den Klängen. Die Sonne geht auf. Die Sonne geht unter. Sekt. Bier. Noch mehr Rum. Wasser. Viel Wasser. Sekt. Liebe.

Wir lassen uns treiben von den unterschiedlichen Farben und Formen. Ein elektronischer Rattenfänger führt uns durch das Dorf der Fantasien. (An dieser Stelle muss ich anmerken, dass Phantasie mit „Ph“ geschrieben, der Bedeutung des Wortes viel gerechter wird als die Verwendung eines schlichten „F’s“). Konzertfetzen dringen an uns heran. Auszeit. Wir liegen weil wir liegen wollen. Wir tanzen, weil es nicht anders geht. Grenzen verschwimmen. Es riecht nach Sonnencreme. Ich liege auf dem Rücken und blicke dem Himmel direkt ins Gesicht. Ich weiß nicht, wie lange ich da liege und es spielt auch keine Rolle.

Erschöpft sitzen wir wieder im Auto. Fahren bei McDonalds ran, durstig und hungrig und erschöpft. Doch wir sind kaum in der Lage auch nur einen Bissen herunterzubekommen. Wir sind glücklich. Und aufgefüllt mit schönen Erinnerungen, die uns dabei helfen, die Zeit bis zum nächsten Jahr zu überbrücken.

Fusion 2011 – du warst wundervoll ❤

zeit. ver. treib.

Es macht mich glücklich, durch die Wellen der Zeit zu treiben. Die Zügel der kleinen Seepferdchen sind umklammert von meinen Fäusten. Gemeinsam wiehern wir der Gischt und den weißen Schaumkronen entgegen. Das Seepferdchen und ich. Uns kann nichts aufhalten. Wir sind mutig. Wir lachen der Gefahr ins Gesicht. Doch genauer hinzugucken, dass trauen wir uns heute noch nicht.

Es ist der kurze Moment, wenn sie sich von ihm, er sich von ihr, wir uns von ihnen, du dich von mir verabschiedest. Unser Lächeln trifft sich in der Mitte unserer Körper. Wenn man genau hinhört, kann man die kleinen gläsernen Geräusche hören, die wie zarte Kristalltropfen aneinanderprallen. Lächeln trifft auf Lächeln. Kurz sind unsere Herzen geöffnet und lassen den andern hinein, dann drehen wir uns um, wenden uns ab und schließen unsere Herzen wieder.

Die Kopfhörerstöpsel werden in die Ohren gesteckt. Musik aufgedreht. Wir schwanken zwischen so leise, dass man noch andere Gespräche mithören kann, so laut, dass man andere mit monotonen Bässen und auftretenden Höhen stört und so, dass wir einfach nur auf einer Welle der Musik schwimmen und weder Innen noch Außen wahrnehmen. Angenehme innere Ruhe. Trotz Musik. Trotzmusik.

zeit.ver.treib. in Berlin

Warum denkt man im glücklichen Moment eigentlich schon wieder an den Abschied? Was macht es so verdammt schwer, den Augenblick zu genießen? Warum muss man immer die Kontrolle behalten? Ist das vielleicht ein Grund, warum Menschen gerne Sex haben? Weil man im Augenblick der Zweisamkeit für einen kurzen Moment die Kontrolle über seinen eigenen Körper verlieren kann? Nichts zählt. Alles zählt. Und auf einmal hat der Moment die Kontrolle über einen und man selber ergibt sich lachend dem Moment.

Alltag. Tag für Tag . Tag für Tag für Tag werden To-Do-Listen abgearbeitet. Imaginäre. Auf Papier. Auf dem iPhone. Das Problem scheint sisyphus’scher Natur. Nichts hat ein Ende. Und alles geht von vorne los. Wir sehnen uns nach Zeit und Ruhe. Und sollten wir mal Zeit und Ruhe haben, wissen wir kaum etwas damit anzufangen. Überfordert vom Moment des Nichtstuns. Schnell lechzen wir nach digitaler oder analoger Ablenkung. Zeitvertreib. Statt Stille auszuhalten. Scheint fast noch schlimmer als zu viel zu tun zu haben.

Ich merke selber, wie schwer es mir fällt, einen einzelnen Gedanken zu verfolgen. Ein Buch zu lesen. Eine Seite zu lesen. Ich bin zu einem Springer in meinem eigenen Leben geworden. Ein Telefongespräch strengt mich an. Schon das Klingeln meines Telefons strengt mich an. Die Nummer meines Hausanschlusses haben nur vier Leute und mein Handy nutze ich eigentlich nicht zum telefonieren. Erwartungen strengen mich an. Schreiben strengt mich nicht an. Ich bin der Beobachter unter meinen Gefühlen. Ich warte ab. Ich interpretiere. Aber ich weiß auch, wie schön es ist, seinen Kopf auszuschalten.

Hätte ich eigentlich noch die Muße in Ruhe in der Badewanne zu liegen? Diese Frage kann ich nur schwer beantworten, da ich keine Badewanne habe und ich glaube es wäre reichlich unbequem in meiner Dusche rumzuliegen. Aber gesetzt den Fall, man badetete 45 Minuten oder eine Stunde? Die Badewannengänger unter euch, wie lange dauert eigentlich ein Durchschnittsbad? Badet man dann 45 Minuten ohne Ablenkung? Ohne iPhone? Neon? ZEIT? Murakami? Whats App? Twitter? Facebook? Wäsche waschen? Eis essen? Fahrrad reparieren? Kochen? Mails checken? Trinken? Tanzen? Essen kaufen? Arbeiten? Luft holen?

Eine Dreiviertelstunde lag nichts tun? Irre. Noch bis vor zwei Jahren habe ich jede Woche regelmäßig Yoga gemacht. 1 1/2 Stunden nur ich und der Moment. Handy aus. Sprache aus. Und im Idealfall auch Gedanken. Kann ich mir heute kaum vorstellen. Gedanken wirbeln und Ablenkung ruft. Aber immerhin kann ich eins gut: Einschlafen. Noch bevor mein Kopf das Kissen berührt bin ich quasi schon eingeschlafen. Mein persönlicher Anti-Reizüberflutungsmodus. Ich habe jahrelang hart trainiert, um die „oh guck mal ein Eichhörnchens“ dieser Welt auf Flugmodus zu schalten.

Manchmal wünsche ich mir ganz viel Zeit. Für dich. Für mich. Für uns. Und dann drehe ich kurz meinen Kopf zur Seite, weil vor meinem Fenster ein kleiner Vogel sitzt, der mir aufgeregt Baby-Eichhörnchen-Videos auf Youtube zeigen will.