Und manchmal wünsche ich mir…

…dass wir gemeinsam am Deich entlang spazieren und der Wind durch unsere Haare und unsere Gedanken weht. Du rennst ein Stück vor, drehst dich lachend um und läufst rückwärts weiter – der Wind fegt dir die Kapuze deines Pullovers vom Kopf. Ich muss auch lachen und gebe dir gestikulierend Zeichen, damit du nicht übermütig gegen die Fahrradfahrerin stolperst. Du bleibst stehen, deine Arme sind ausgestreckt und warten auf mich. Wir bleiben mitten auf dem Weg stehen und gucken auf den Fluss, wir träumen von einem Leben auf einem Hausboot oder wie es wäre, als Möwe den ganzen Tag hinter frischen Fischen herzujagen. Ich hole tief Luft und dein Atem kitzelt in meinem Nacken, so dass sich meine Nasenspitze kräuselt.

Nachts wache ich auf und fahre mit meinen Fingerspitzen die Konturen deines Gesichtes ab, deine Wangenknochen entlang – ich küsse deine Augenbrauen und kuschel mich zurück unter die Decke. Vielleicht treffen wir uns im Traum, besprechen wir, bevor wir einschlafen.

Ich habe meine hellgraue Jogginghose an und trage dein weißes Unterhemd. Es riecht nach dir. Meine Haare sind zu einem losen Knoten zusammengebunden. Die Espressokanne steht auf dem Herd und ich höre das Wasser deiner Dusche. Die Aufbackbrötchen warten im Ofen. Du kommst rein und schüttelst deine nassen Haare so, das ich blinzeln muss. Ich setze mich auf die Fensterbank und wärme meine Füße an der Heizung. Die Knie habe ich ans Kinn gezogen und du lachst mich an. Ich lese dir aus dem Artikel vor, den ich angefangen habe, während du duschen warst. Du tröpfelst vorsichtig Balsamico und Olivenöl über die Tomaten und den Mozzarella. Ich zupfe einige Blätter vom Basilikum. Das sind unsere ersten Tomaten dieses Jahr, es sind nur drei, aber du hast mir versprochen, das sie gerade deswegen besonders lecker sein werden.

Deine Schuhe liegen übereinander gewürfelt neben der Wohnungstür, meine stehen fein säuberlich aufgereiht daneben.

Wir schlendern über den Flohmarkt und ich kaufe einen kleinen alten Zuckertopf mit kitschigen Blütenranken. Wir überlegen uns ein paar alte Schallplatten mitzunehmen und sie im Flur neben dem großen Poster der Fotografie-Ausstellung aufzuhängen.

Wir klettern durch die Luke aufs Dach und gucken in den Sternenhimmel, ich lege mich auf den Rücken auf die Wellpappe und suche den kleinen Wagen in den Sternen. Es ist kühl, ich habe eine Gänsehaut. Wir trinken Beck’s, du erzählst von deinem Tag. Die dunkle Ruhe der Nacht wird hin uns wieder durch vorbeifahrende Autos oder eine Krankenwagensirene durchbrochen. Du legst deinen Kopf an meine Schulter und ich fahre vorsichtig durch deine Haare. Wir trinken noch ein Bier, bevor wir lachend durch die Luke zurück ins Haus klettern. Du fragst, ob wir den Rotwein noch aufmachen wollen, wir sitzen am großen Holztisch in der Küche, den wir selber zusammengebaut haben und verlieren uns in Gesprächen. Das Radio läuft im Hintergrund, die Musik erinnert an die 20er-Jahre. Als ich das nächste Mal auf die Uhr schaue, ist es halb vier. Wir müssen morgen beide arbeiten. Mit den Zahnbürsten und Schaum im Mund schneiden wir vor dem Spiegel Grimassen. Die Bettwäsche riecht frisch und meine Füße verstecken sich zwischen deinen, bis mir warm genug ist. Träum schön, Kleine – flüsterst du mir ins Ohr. Ich bin schon fast eingeschlafen aber nicke noch. Du auch, murmle ich lächelnd.

Manchmal wünsche ich mir, dass die Zeit einfach stehen bleibt.

(fyi: frei nach nordfischbabys Stücken erfundene Gedanken)

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6 Gedanken zu “Und manchmal wünsche ich mir…

  1. Timm schreibt:

    Hatte überlegt, ganz MSN-Generationenmäßig ein ❤ zu schreiben, aber das wäre dem Artikel unwürdig.

    Kurz, wirklich kurz diesmal: Du (be)schreibst das, an das ich zwar kaum richtig glaube, aber diese erste Schmetterling-Zeit ausmacht, die wirklich paradiesisch ist.

    Herrlich leicht, sonntagmorgig, komplex und doch unkompliziert. Ich tue das häufig als romantisch und unrealistisch ab, aber so etwas ist es, was ich manchmal vermisse. Schön verbalisiert.

  2. Till schreibt:

    Hey,

    da verfolgt man deinen Blog seit dem wir uns im wundervollen Frankreich kennenlernen durften und nun schreibst du einen Beitrag (heißt das so?) über das schönste Gefühl der Welt.

    Wundervolle Worte für noch tollere Gefühle!

    Ich hoffe für dich, dass die Geschichte nicht nur frei erfunden ist, sondern dass du jemanden hast, dessen Gesicht du bei dem Artikel im Kopf hast. Der für dich Blumen klaut, Graffitis sprüht und auch sonst jede Dummheit begehen würde nur um dir eine Freude zu machen und andersherum…
    Denn was gibt es schöneres als zu lieben und geliebt zu werden???
    Zu sein wie Kinder, sich für nichts entschuldigen müssen, das Leben in den vollsten Zügen genießen, jede Kleinigkeit zu bemerken, jeden Gedanken zu verschwenden…
    Einfach schön!

    Schöne Grüße

  3. Sanjarija schreibt:

    Mit dir bin ich frei

    Unbeschwert
    Du bringst mich zum Lachen
    Du lachst

    Selbstbestimmt
    Bei dir steht mir die Welt offen
    So wie dir

    Mit dir bin ich frei
    Wärst du nur auch frei für mich

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